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Das Sommerzelt des Grönländers

Beschreibungstext


Fig. 1. Das Sommerzelt des Grönländers.
Dieses Zelt, welches der Grönländer den ganzen Sommer, vom Mai bis October, bewohnt, besteht unten gewöhnlich aus einer 2 Ellen hohen Mauer mit einer Thüröffnung, über welche die Zeltstangen gelegt werden, die man dann mit einer zwei- oder dreifachen Lage Felle bedeckt, auf welche man ringsum schwere Steine legt, damit sie der Wind nicht wegwehen kann. Die Thür besteht aus einem Vorhang zusammengenähter Därme, welcher Helligkeit in das Zelt einfallen lässt. Das lange herabhängende Haar halten die Männer mittelst eines Kappzaum ähnlichen Riemens zusammen, die Weiber binden es in einen starken Knoten über dem Scheitel zusammen. Die Weiber und auch manche Männer sind sehr künstlich tätowirt. Die Kleidung aus Seehundsfell ist für beide Geschlechter ziemlich gleich, die Haare sind nach innen gekehrt; die der Frauen sind unten mit zwei Zipfeln versehen. Die Männer tragen über diese Pelze noch ein Ueberkleid aus Därmen oder wasserdichtem Leder; im Sommer, oder auch des Winters im warmen Hause, haben sie bloss ein Paar kurze, die Lenden bedeckende Beinkleider an. Die Stiefeln sind aus wasserdichtem Leder verfertigt, die der Männer sehen Schlittschuhen, die der Weiber Reiterstiefeln ähnlich. Die Säume sind mit dem Fell von weissen Hunden oder Seehundstatzen vorgestossen, und die Pelze um den Hals herum verbrämt. Die Männer treiben Jagd und Seehundsfang, das Hauswesen und alles Uebrige liegt den Frauen ob. Ihr Kind tragen sie im Pelze überall mit sich, und zwar manchmal bis zum 4., 5. Jahre.
Fig. 2. Die Winterwohnung des Grönländers.
Sie besteht aus 3-4 Ellen hohen, aus Erde und Steinen aufgeführten Mauern, über welche in der Mitte ein Balken oder schweres Stück Treibholz gelegt ist, worauf andere und auf diese wieder andre Balken kreuz und queer gelegt werden, über die sie dann eine Lage Wacholderreisig, eine gute Schicht Erde und endlich alte Felle decken. Die Fenster liegen auf der Sonnenseite gewöhnlich nach der See hin, das Glas derselben sind die durchscheinenden Därme des Seehunds. Der Eingang, auch auf der Sonnenseite, ist ein niedriger, 20-30 Schritte langer, gerader oder krummer Gang. Die Wände des Hauses sind inwendig mit Haidekraut und Fellen bedeckt. Ringsum an denselben stehen 3 Ellen breite Bänke, auch wird durch solche Bänke mit Hülfe von Fellen das Haus in mehrere Stände oder Räume abgetheilt, in welchen theils die Familie einzeln, theils die unverheiratheten Frauenzimmer sich aufhalten; die unverheiratheten Mannspersonen haben dagegen ihren Platz auf den Seitenbänken. Wenn alle Lampen brennen, ist die Wärme so gross, dass der Grönländer, bei einer Kälte von 20 oder 300 im Freien, nackt auf seiner Bank sitzt. Oft wohnen 7-8 Familien in einem Hause, welches dann 30 Ellen lang und 6-7 Ellen breit ist. Das Bauen besorgen die Weiber, das Herbeischaffen des Holzes und der Bretter die Männer. Auf unserer Tafel sehen wir noch die Aufführung eines characteristischen, mit Gesticulation verbundenen Tanzes, den der Grönländer mit einer Trommel, die er mit einem kleinen hölzernen Stocke schlägt, und dem Gesang über den Seehundsfang oder einer andern merkwürdigen Begebenheit begleitet.


Metadaten

Abbildungstitel: Das Sommerzelt des Grönländers
Tafeltitel: Wohnungen der Grönländer
Abbildung gehoertzu Tafel: Ad99998 12 066a
Band: 12
Heft: 233
Bildeigenschaften: Kupferstich, schwarze Druckfarbe, koloriert
http://www.bbf.dipf.de/cgi-opac/bil.pl?t direct=x&f IDN=b0056286berl
Schlagwörter: Architektur, Völkerkunde, Wohnung, Jahreszeit, Sommer, Zelt, Frau, Kind, Mann, Kleidung, Feuerstelle, Werkzeug, Gefäß, Kochen, Topf
geographische Verortung: Grönland
BBF ID: b0056286berl