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Abbildung einer der Klammern oder Haken, welche auf den beiden Tauen jeder Seite ruhen und an denen die senkrechten Seile hängen

Beschreibungstext


Die Eisendrahtbrücke von Freiburg, welche unlängst vollendet worden, ist bis jetzt das kühnste und grossartigste Werk seiner Art. Sie verbindet die beiden Uferwände der Sarine oder Saane, zu deren beiden Seiten die Stadt liegt, in einer Flucht, und während Wagen sonst eine volle Stunden brauchten, um durch ein Städtchen von 9,000 Einwohnern zu fahren, können sie jetzt durch dasselbe binnen wenigen Minuten gelangen.
Die Brücke beginnt auf dem linken Ufer in der Höhe des Hauptkirchenplatzes und trifft auf dem rechten ziemlich auf die alte Strasse von Bern. Nach Berner Maasse beträgt die Länge von einem der beiden Bogenpfeile, welche die Hauptdrahtseile stützen und die Auffahrtsthore bilden, zum andern 903 F. (817 Pariser F.), ihre Breite 22 F., und sie schwebt über dem Spiegel der Sarine in einer Höhe von 173 Fuss. Vergleichen wir die Maasse dieser Brücke mit dem vor ihr grossartigsten ähnlichen Werke, so finden wir, dass die Länge des an eisernen Ketten hängenden Theils der Menaibrücke, welche die Insel Anglesea mit Grossbritannien verbindet, nur 516 pariser Fuss lang ist, und obgleich Telford, der Baumeister der letztern, früher Unglaubliches geleistet, so hat doch Challey, dem man die Freiburger Brücke verdankt, seinen Vorgänger übertroffen, zumal, wenn man bedenkt, dass das letztere Werk im Ganzen nur 600,000 Franken kostet, während bei der Menaibrücke die Auslagen für das Eisen dieser Summe schon übersteigen, und dass die erstere binnen 2 1/2 Jahr vollendet ward, während die Ausführung der letztern fast 7 Jahre in Anspruch nahm.
Der malerische Effect dieser Brücke ist, in der That, von Bedeutung, so wie sie wiederum, als Standpunct, malerische Ansichten eröffnet. Man gewöhnt sich bald daran, sich bei dieser Höhe und Isolirung ausser aller Gefahr zu fühlen, wozu die Regelmässigkeit der senkrechten Drahtseile und die Dauerhaftigkeit des Geländers viel beitragen, zumal, wenn man weiss, dass die Brücke, nach der Berechnung, eine Belastung von etwa 6 Millionen Pfund aushalten kann und bei der Probe eine solche von 11 bis 12 hundert Centnern schon wirklich getragen hat, ohne im Geringsten zu wanken. Wenn man unter eines der beiden Thore tritt und nach dem andern hinsieht, findet eine eigenthümliche Wirkung der Perspektive statt, indem die Brücke viel kürzer erscheint, und erst von deren Mitte aus erhält man einen richtigen Begriff von ihrer Länge. Der Blick auf das mit Häusern, Gärten, Feldern etc. bedeckte Thal bringt eine höchst eigenthümliche Wirkung hervor, und man hat ordentlich Mitleiden mit den Kirchthürmen, über denen die Wage hinfahren.
Die obere Hälfte (Fig. 1.) unserer Tafel giebt uns eine allgemeine Ansicht der Brücke und Umgebung, von der Südseite aus genommen, während Fig. 2. auf der untern Hälfte einen senkrechten Durchschnitt des Thals und der Brücke, von der andern Seite aus gesehen, darbietet.
ss, die Sarine, pp, die Bogenpfeiler; cccc, eines der 4 starken Drahttaue, welche die Brücke von einem Bogenpfeiler zum andern tragen; c'c', dieselben jenseits der Bogenpfeiler schräg niederwärts streichend; tt, die Bahn und das Geländer der Brücke; ooo, die senkrechten Hängedrahtseile, welche die Bahn tragen; ii, der Abstand, um welchen die Pfeiler vom Abhange zurückgerückt sind, und wo die Brückenbahn auf dem Boden ruht.
Fig. 3. Senkrechter Durchschnitt eines der Enden der Brücke, im grössern Maasstabe gezeichnet. Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Theile: wie in Fig. 2., und ausserdem, n, die Höhe des Bodens vor der Errichtung der Brücke; n' das weiter fortgesetzte Niveau der Brücke; rrr, die auf der Höhe der Pfeiler befindlichen Reibungsrollen; r', die letzte Reibungsrolle, die sich an der Stelle befindet, wo die schräge Richtung der Taue in eine senkrechte verwandelt wird; a, Befestigungspunct der Taue; vvv, Gewölbe aus Steinblöcken, welche den Ankerblock dauerhaft niederhalten; b, Steinblock, welcher der Rolle r zum Lager dient; b', Steinblock, unter welchem sich die Verankerung bei a befindet.
Fig. 4. Senkrechter Durchschnitt des Gemäuers, durch welches die Taue von der Stelle r' aus bis zum Befestigungspunct a hinabsteigen. Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Theile, wie in den vorhergehenden Figuren, und ausserdem: c, den Theil des senkrecht hinabsteigenden Taues, wo es noch unbedeckt ist; die punctirte Linie c' deutet die Röhre an, durch welche das Tau bis a hinabsteigt. Die Schraffirung RR bezeichnet die natürlichen Felsen etc., durch die das ziehbrunnenartige Loch niedergetrieben worden; D, die Stelle von welcher aus die Tagewasser mittelst einer Abzucht abgeleitet werden.
Fig. 5. Abbildung einer der Klammern oder Haken, welche auf den beiden Tauen jeder Seite ruhen und an denen die senkrechten Seile hängen. cc, Queerdruchschnitt der Drahttaue; cr, cr, die beiden Arme des Hakens; l, die Verbindungsstelle des Hakens und Hängeseils.


Metadaten

Abbildungstitel: Abbildung einer der Klammern oder Haken, welche auf den beiden Tauen jeder Seite ruhen und an denen die senkrechten Seile hängen
Tafeltitel: Hängebrücke von Freiburg (Friburg) in der Schweiz
Abbildung gehoertzu Tafel: Ad99998 12 074a
Bildinschrift: Fig. 5.
Band: 12
Heft: 235
Bildeigenschaften: Kupferstich, schwarze Druckfarbe, koloriert
http://www.bbf.dipf.de/cgi-opac/bil.pl?t direct=x&f IDN=b0056309berl
Schlagwörter: Brücke, Architektur, Hängebrücke, Konstruieren / Technisches Zeichnen
geographische Verortung: Schweiz, Freiburg (Üechtland), Alte Zähringer Brücke, Saane
BBF ID: b0056309berl